Ein Spaziergang, der nachdenklich stimmt.

Ein Spaziergang durch die eisige Luft

Heute war ich spazieren – eingemummelt wie ein Eskimo durch den eisigen Wind. Den heißen Tee anschließend habe ich mir jetzt verdient!

So kalt war es – und dazu ein eisiger Wind!

Auf diesem Spaziergang durch eine Landschaft, die ich kenne seit ich denken kann, haben mich einige Anblicke nachdenklich und traurig gestimmt.
Ich mag diese Landschaft wirklich sehr, und habe bei jeder Veränderung das Gefühl, dass Wunden gerissen werden. Viele Veränderungen müssen sein, und es geht mir auch nicht um sentimental verklärte „alles muss so bleiben wie früher“ Gedanken.
Ich frage mich aber sehr oft, mit welcher Weitsicht diese Maßnahmen geplant und überdacht werden.

Es werden zum Beispiel zur Zeit dort viele Windräder gebaut – an sich ja eine feine Sache, regenerative Energien, alle verdienen Geld damit und wir haben vielleicht doch eine Chance, uns wenigstens nicht ganz und gar von Öl und Gas aus anderen Ländern abhängig zu machen. Sinn und Unsinn oder gar Effizienz dieser Anlagen will ich hier auch gar nicht debattieren.

Aber der Einschnitt in die Landschaft tut mir weh: Die Baugruben für die Fundamente gleichen in ihrem Ausmaß mehreren Olympia-Schwimmbecken. Wenn ich Mühlen sehe, muss ich immer daran denken, welch gigantischer Betonklotz unter der Erde schlummert.
Die Zufahrten zu den Mühlen stehen einer mittleren Kreisstrasse in ihren Ausmaßen in nichts nach. Wo früher romatische-schöne, grasbewachsene Feldwege waren, sind jetzt verbreiterte Kiesstrassen mit grauen Steinen, die (zumindest hier) überhaupt nicht in die Landschaft passen. Früher gab es links und rechts der Wege Böschungen mit kniehohem Gras- und Gestrüppbewuchs. Darin gab es Nester, es wohnte allerlei Kleingetier darin. Unter anderem nisteten dort Rebhühner. Dieser Bewuchs ist weg – die Rebhühner auch. Die Wege werden breiter und die bestellten Felder gehen fast bis an den Schotterweg. Keine Chance für Kleingetier.
In der Umgebung der Mühlen, an einem Hang, ist soviel Bewuchs kahlgeschlagen, soviel Grund von großen Fahrzeugen platt gefahren worden, dass Regen und Wind peu a peu nun die Erde abtragen. Rinnsale suchen ihren Weg und tragen die fruchtbare Erde mit sich. Der Boden hier ist schwer, es ist kein leichter Sand, der da wegschwimmt. Schwere, tonartige Erde, die im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runter geht. An manchen Stellen hat es kleine Erdrutsche gegeben. Ob das entsprechend wieder bepflanzt wird?

Immer mehr Bio-Gasanlagen fordern Futter – jeder Hektar Land muss bepflanzt werden. Land, das wegen seiner Hanglage früher nicht bepflanzt werden konnte, kann mit den monströs großen und schweren modernen Landmaschinen plötzlich ganz leicht bearbeitet werden. Und schon ist wieder eine Wiese weg: umgemacht und bepflanzt. Früher hatte dieses Land Terrassen, um halbwegs gerade darauf gehen und fahren zu können. Die Terrassen waren durch Böschungen getrennt. Diese Böschungen brachen den Wind und hielten das Land. Sie waren auch  Schutz- und Lebensraum für viele unserer Wildtiere – weg, fast plan gemacht. Wo soll sich da noch ein Reh verstecken?

Dies war mal „Terrassen-Land“

Und noch mehr nachdenklich stimmendes sehe ich bei meinem Spaziergang:

An einigen Stellen kann man erkennen, was die schweren Maschinen mit dem Land machen: Es immer mehr verdichten. Einige Stücke Land werden aus Naturschutzgründen von Ihren Besitzern nicht bearbeitet, sie sollen den Tieren als Ausweich-, Futter- und Rückzugsraum dienen. Zwischen diesen Stücken und den daneben liegenden, bearbeiteten Stücken gibt es Niveau-Unterschiede, die mit einem großen Schritt schon kaum noch zu überwinden sind.
Auch auf dem so verdichteten Land fließt das Wasser immer schneller, weil es nicht mehr versickern kann. Und wieder ist etwas Erde abgetragen.

Der Platz neben den Wegen muss ständig weitläufiger werden, weil die Maschinen und Traktoren sonst nicht mehr durchpassen. Was muss weichen? Sträucher, Gebüsch, kleine Bäume – plötzlich einfach weg. Kahlschlag am Wegesrand.

Ich liebe meine Spaziergänge durch die Natur, Und wenn ich sehenden Auges durch eine mir so vertraute Landschaft laufe, tut es mir weh, diese Veränderungen zu sehen.
Dabei habe ich viel Verständnis für die Belange der Landwirte und Windmüller. Das Land, das sie bestellen und mit Windmühlen „bepflanzen“, ist ihr Kapital, aus dem sie so viel wie möglich herausholen müssen. Also pflanzen sie an, was gefragt ist. Böschungen bringen keinen Ertrag.
Und mit den großen Maschinen haben sie die Möglichkeit, dies mit möglichst geringem Einsatz von Arbeitskräften zu tun. Ich erinnere mich, in meiner Kindheit beim Hacken und Jäten von Rübenfeldern geholfen zu haben – von Hand, das ist eine Arbeit, die wirklich in die Knochen geht. Viele Menschen, meist die Frauen und die Kinder, waren lange mit einem Feld beschäftigt. Dieses Ausmaß an Handarbeit ist sicher heute nicht mehr erstrebenswert. Aber manchmal wünschte ich mir, die rasende Entwicklung würde, im wahrsten Sinne des Wortes, auch etwas links und rechts des Wegesrandes gucken.

Ich genieße jeden Spaziergang durch die so vertraute, nach wie vor wunderschöne Landschaft. Aber übersehen kann ich diese Dinge nicht.

Und wenn ich nach Hause komme, empfängt mich übrigens diese freundliche Willommens-Sau. Zur Zeit wohnhaft in einem winterlichen Fichtenzweig-Bett.

Willkommen zu Hause – ÖFF ÖFF!

Glückauf!

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