Eine Tischdecke für die Patin…

… passend zum Geschirr Zwiebelmuster. Zum 70. Geburtstag kann man sich als Patenkind ja mal ein bißchen Mühe geben.

Die Inspiration kam aus der ‚LANDLUST‘: Eine Tischdecke sticken, für das besonders ungewöhnliche Tischmaß der Tante – damit wäre mein Grübeln über ein adäquates Geschenk gelöst.

Schneeflocken wären jetzt nicht so ihr Ding. Aber etwas passend zum Geschirr, vielleicht? Aber zu welchem. Die Cousine zu Rate gezogen und beschlossen:

ZWIEBELMUSTER

Also erstmal Brainstorming – wie könnte eine Tischdecke für dieses Geschirr aussehen?

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So auf jeden Fall nicht.

Mir schwebte etwas von Allover-Streublümchen-leichtes, feines Muster vor. Aber wie?

Als Kind hatte ich jeden Mittag mein Essen auf einem Zwiebelmuster-Teller serviert bekommen. Ungeliebte Mahlzeiten auf dem Muster hin und her geschoben (essen musste ich es ja doch), in Eintopf oder Kartoffelpüree Linien mit der Gabel gezogen, Teile des Musters freigelegt. Meine Mahlzeiten wurden in Segmente portioniert , die das Muster unterteilten. Detail für Detail wurde essend freigelegt. Und das war es:

Teile, einzelne Musterfragmente betonen. Nicht die ganze Wucht und Mächtigkeit der Ornamente, sondern nur Details – die dafür riesengroß. Royal Copenhagen Musselmalet Mega fiel mir ein, die Überzeichnung des blauweißen Geschirr Klassikers.

Also – rumprobiert, kopiert, gezeichnet, verändert, verworfen, neu probiert:

Es hat gedauert.

Der Geburtstag war im Mai, inzwischen war März.
Material musste herbei. Leider war die Bezugsquelle für den Leinenstoff in der ‚Landlust‘ nicht für Privatkunden geeignet, und die Suche nach einem lokalen Händler erfolglos. Schließlich habe ich den Stoff, von hier: Handarbeiten Kortlueke Inh. Jutta Block .  Frau Block war mir bei der Auswahl des richtigen Gewebes eine große Hilfe und hat geduldig mit mir gerechnet, wieviel Stoff für den überbreiten Tisch gebraucht würde, Einsprung nach dem Waschen mitgerechnet. Hatte ich schon erwähnt, dass die Tischdecke nicht einfach gesäumt, sondern mittels einer Passe auf die richtige Größe gebracht werden musste? Nein? Aber jetzt. Zum Glück habe ich professionell nähende Unterstützung.

Stoff : Erledigt

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Garn: Erledigt
Teller als Mustervorlage: Erledigt, unter einem Vorwand von der Tante ausgeliehen.

Das Tischmaß 120 x 230 cm , die Tischdecke also 180 x  290 cm. Keine Handarbeit für unterwegs oder auf den Schoß. Erstmal die Tischgröße abstecken. Mein Tisch ist breiter,  aber kürzer als der meiner Tante, also ein Stück mit Karton angesetzt und mit einem roten Faden das Maß markiert.
Und die nächsten 6 Wochen keinen Esstisch gehabt. Sic!

Die Verteilung der Muster war der nächste große Schritt. So, dass das Geschirr nicht auf den Stickereien stehen würde. So, dass die sehr unterschiedlichen Konturen ein einheitliches Bild ergeben würden. Lange habe ich Papiervorlagen hin und hergeschoben.

Schließlich lagen alle Fragmente am richtigen Platz, nun wurde es ernst – die Mustervorlage auf den Stoff übertragen. Gut, wenn man nix wegschmeisst – 40 Jahre altes Kohlepapier kam zum Einsatz.

Da lag sie nun, die kostspielige Materialmenge, in die ich hineinpieksen wollte, um sie zu gestalten. Was hatte ich mir dabei gedacht? In der Schule hatte ich Kreuzstich gelernt, das ist aber, hüstel, 40 Jahre her. Mit meiner Großmutter hatte ich gestickt – Kreuzstich und Festonstich, mehr nicht. Mit beidem würde ich bei meiner Musteridee nicht weit kommen. Von allem anderen hatte ich nicht viel Ahnung. Für „keine Ahnung-Dilettantismus“ war dieses Unterfange aber deutlich zu teuer!
Vor kurzem hatte ich für meinen Bruder wenigstens mal diese Stickereien auf alte Armeetaschen gefertigt, das Logo seiner Firma:

Und für meine Mutter Wäschebeutel:

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Aber da kam es auf akurat nicht so an… aber wenn so Tanten am Kaffeetisch sitzen und die ganze Zeit auf das Muster gucken… da kann ich mir ja keine Blöße geben…

Youtube musste her um das Ungeübte, lang Vergangene aufzufrischen! Meine Empfehlung: Die Videos von Handiworks

Und dann: Üben. Probieren. Probelappen für Probelappen.

Und schließlich: In den Stoff. In echt.

Die Stickerei war letztendlich die wenigste Arbeit – und hat viel Spaß gemacht! Das dicke Ende kommt zum Schluss: Fäden vernähen!

Inzwischen war Ostern und ich habe mir Hilfe geholt:

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Wirklich zufrieden sahen die Langohren hinterher nicht aus…

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Nächster Schritt: Ab in die Waschmaschine. Und das bange Abwarten, ob alles dem Schleudern standhält. Hat geklappt!

Jetzt noch Nähen…

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…Bügeln…

… Einpacken – und dann der große Moment:

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Die Patentante war begeistert!

Ich auch. Gerne wieder.

Glückauf!

 

Alte Schätze: Hohlsaumstickerei auf Leinen / Ancient Treasures: Hemstich on Linen

(Please scroll down for English translation)

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Dieses Werk habe ich verflucht: Hohlsaum funktioniert links ‚rum nämlich nicht, wenn man es rechts ‚rum beigebracht bekommt. Über meine unfähige Handarbeitslehrerin berichtete ich ja bereits.
Den Probelappen meiner Hohlsaumkünste habe ich aber in Ehren gehalten. Das Werk, das anschließend entstand, ziert bis heute einen Schrank bei meiner Mutter. Damals waren es gefühlte 10 Meter, die ich besticken musste. Wenn ich ihn heute da so liegen sehe wundere ich mich immer, wie klein er mit seinen ca. 80 cm doch ist…

Haben Sie auch noch alte Schätze aufbewahrt? Dieses Werk aus meiner Handarbeits-Grundausbildung muss ungefähr 37 Jahre alt sein.

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I hated this work when I had to make it, ca. 37 years ago. When your tought how to do hemstitch with your right hand but actually are left handed, it simply won’t work. But I kept this sampler, and today I really love it. The actual work was a runner that is still in my mothers house. Every time I see it I’m surprised how small it actually is with it’s 80 cm – working on it it felt like at least 10 meters of embroidery…

Did you keep any of your ancient works from school?

GlückAuf!

Diesen Beitrag habe ich vorbereitet – jetzt bin ich im Urlaub und kann daher nicht auf Fragen oder Kommentare antworten. Freue mich aber nach meiner Rückkehr um so mehr darüber!
I wrote this post before I left for my vacation. I can’t answer any comments questions during this time, but I’m really looking forward to do so as soon as I’ll be back!

 

Alte Schätze: Besteck- und Serviettentaschen / Ancient treasures

(English text, please scroll down)

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Die Projekte auf der Liste sind alle noch „in Arbeit“, und da ich ja zwischendurch Schränke einräume und Wände streiche, gibt es zur Abwechslung drei Modelle aus dem Archiv.

My undone projects are still in progress, nothing new to be shown. As I’m being busy sorting my my flatware and renovating, I have to show you some ancient treasures instead.

Sticken lernte ich in der Schule, ich erinnere mich an viel wieder Aufgelöstes, weil es von hinten nicht schön aussah. So ein Frust… irgendwann berichte ich mal über meine unfähige Handarbeitslehrerin, es grenzt an ein Wunder, dass ich trotz ihrer pädagogischen Fehlleistung bis heute unverdrossen weiterwirke. Übrigens  – mit links. Aber das ich eine andee Geschichte.

I learnt to embroider at school, in my memory there’s a lot of frustration about un- and redoing my works over and over again. I’ll write about my horrible crafts teacher sometime, actually it’s kind of a miracle that I’m still crafting.  I still do it, by the way, with my left hand.

Als Kreuzstich Lehrstück gab es eine Serviettentasche. Das war eigentlich schon in den 70er Jahren nicht mehr so ganz en vogue, aber wahrscheinlich konnte die Lehrkraft nix anderes. Also nähten wir zunächst – von Hand, Maschine kam später – ein Täschchen in einem – wie ich finde – unmöglichen Format um es anschließend mit Kreuzstich zu verzieren. Bei dem Kreuzstichmuster, das wir uns selber ausdenken mussten, hat mich deutlich die Kreativität verlassen. Die Farbwahl ist jetzt aus heutiger Sicht auch nicht so der Hit. Aber immerhin, ich habe es immer noch und es ist auch nocht nicht auseinandergefallen. Das ist doch schon mal was.
Mein erstes Werk können Sie also oben bewundern.

We cross stitched a bag for napkins. We first sew it (by hand, we learned machine sewing later) and then did the pattern. Not my most creative moment to be honest, and we could definitely discuss my choice of colours. But however – I still have this piece of art and it hasn’t fallen apart either, that’s something, isn’t it?
You see my first achievement above.

Und von hinten. Gab bestimmt nur ’ne Vier, sind ja unterschiedliche Richtungen und das durfte nicht sein:
And here’s the back side. Sure wasn’t more than a D (4 in Germany), as the stitches go in different directions, which they shouldn’t:

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Jahre später habe ich mich dann noch mal dran gewagt. Diesmal auf einer Vorlage aus Leinen. Das Format ist definitv geeigneter für Servietten oder Besteck, die Rückseite erspare ich Ihnen (wurde ja auch nicht mehr benotet…)

I made another one years later, the bag itself was ready made, I only did the embroidery. I won’t show you the back, there were no grades for it…

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Und immer wenn ich mich dann besonders toll finde, weil ich so was kann und schon mal gemacht habe, hole ich mich damit wieder auf den Boden der Tatsachen zurück:

Everytime I consider myself a hero for doing such things, here is what brings me back down to earth:

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Das ist ein Werk meiner Großmutter. Von Hand genäht und bestickt. Und die Krönung: Das ist auch ihre Handschrift. Sie hieß Rosel und Rö war ihr Kosename. Wohl dem, der für solche Übungen einen kurzen Namen hat!
Art und Ausführung lassen mich immer noch neidisch werden…

It’s a bag for cutlery my grandmother made in school. It is sewn (by hand) and then embroidered – freestyle, this is her name in her actual handwriting (lucky her for a short name)

Ich benutze übrigens alle drei Taschen, allerdings nicht für Servietten oder Besteck: In meine beiden Werke verpacke ich Wäsche, wenn sie in den Koffer kommen und Omis Werk  beherbergt heute meine Nadelspiele in den verschiedenen Stärken. Passt genau und nichts fällt raus.

I am, by the way, using all three of them: Mine are used for lingerie when I pack it in my suitcase and Granny’s I use to store my sets of double pointed needles in different sizes. That fits perfectly and they don’t fall out.

Bewahren Sie auch alte Schätze auf? Benutzen Sie sie? Ich bin definitv ein Sammler – und Benutzer.
Do you keep those ancient treasures, too? And do you use them?

 

GlückAuf!

 

11 1/2 Meter Leinen

Anderswo (zum Beispiel bei Frau Kirsche) wird zur Zeit fleissig am Weihnachtskleid genäht. Das wird hier nix, aber dafür ist eine andere Idee in Arbeit.

Inspiriert von schöner Tischwäsche neulich mal in einem Laden ging ich los, um ein bißchen Leinen zum ausprobieren zu erstehen. Die Betonung liegt auf ein BISSCHEN.

Hat nicht geklappt. Es wurden 11 1/2 Meter Leinen, nur, weil ich mich mal wieder nicht entscheiden konnte. Ist ja kein Vergang dran, dachte ich mir, und war natürlich gerade im Angebot. Für´s Gewissen war das wichtig.
Ausserdem fand ich noch einen schwarzen Wollstoff (ich habe tatsächlich keinen schwarzen Rock und bin wild entschlossen, das noch sehr kurzfristig zu ändern.)

Aber zunächst – Leinen:

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Und dazu passendes Stickgarn.

Der Plan ist folgender:

Ein gemustertes Stück Leinen wird mit einem unifarbenen Stück Leinen zur Größe eines Tischsets kombiniert. Farblich abgestimmt, natürlich. Und dann mit dem passenden Stickgarn noch irgendwie verziert (gepimpt, oder heißt das nicht so? Doofes Wort. Muss ich auch in meinem Alter nicht mehr wissen, ausser, wenn ich mit meinen Neffen kommunizieren will.
Will ich zwar, aber meistens nicht über Verschönerungsaktionen. Also egal: VERZIERT)

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit nahm ich es mit dem Maßen und rechten Winkeln mal ganz genau:

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Ich bin ja nicht so geübt – und es war ein echter Kampf. Weil das Muster nicht ganz einwandfrei im Fadenverlauf rechtwinklig gedruckt ist.
Dann: Garn aussuchen. Der Fundus bot sogar die passenden Farben:IMG_1949

Und Spulen kann man ja nie genug haben:

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Hatte ich auch nicht, ich musste welche aufspulen.
Da ich mir in den Kopf gesetzt habe, aus der Breite des Stoffes vier Stücke zu schneiden sind die Säume ganz knapp. Was bei dickem, störrischem Leinen jetzt auch nicht gerade meine leichteste Übung ist. Hat aber geklappt. Dafür habe ich jetzt von lauter Nadeln und immer wieder Umbügeln verbrannte und zerstochene Finger.

Und jetzt – irgendwas mit dem Stickgarn. Hier tüftele ich noch. Kettstich am Rand, umhäkeln, Plattstich für einzelne Elemente des Musters. Ich probiere. Das Resultat gibt’s dann noch später zu sehen.

Ich mach jetzt mal weiter.

Glückauf